Ich habe die SlowFlower-Bewegung „entdeckt“.
Sagen
wir es mal so: ein Gefühl, eine Idee, eine Gegenbewegung wird neu definiert.
Zum Glück. Ich bin begeistert über diese Bewegung. Sie wird getragen durch die
junge Generation. Sie nutzen die Erde und das Internet für die Achtung
gegenüber unseren Pflanzen.
Es ist wunderbar zu sehen, dass sich auf
diesem Gebiet seit Jahren in der jüngeren Generation etwas so großartiges
entwickeln hat. Ein besseres Verständnis für unsere Kulturblumen oder der
langen Tradition Freude an Schnittblumen und Zimmerpflanzen neu zu definieren.
Natürlich wurde immer schon über die
Massenware Schnittblumen, besonders über die Rose, geschrieben und gezetert. Die
wirklich schlimmen Produktionsweisen in den Herkunftsländern werden
angeprangert. Kinderarbeit und Frauenarbeit unter den Methoden, die eher an
Sklavenarbeit erinnern anstatt „Freude mit Blumen“ zu produzieren. Geändert hat
sich in den letzten Jahrzehnten allzu viel nicht. Das erste Mal hatte ich nach
der Wende einen Beitrag über die Rosen-Produktion (Zucht kann man es nicht
nennen.) gesehen. Ich war so entsetzt, dass ich allen verbot, mir gekaufte
Blumen zu schenken. Ganz Besonders im Winter hatte ich ein schlechtes Gewissen.
Es passt einfach nicht in unserem Jahreskreislauf Sommerblumen in einem Strauß
aus allen Teilen der Welt zu besitzen.
Abgesehen davon, dass ich nicht lange Freude
an ihnen hatte. Der Strauß sah am nächsten Tag trostlos aus. Die Hälfte verwelkt,
hingen sie in der Vase ohne jemals ihre wahre Schönheit zu entfalten. Der Duft
fehlte ihnen und der Sommerwind.
In meiner Kindheit und Jugend gab es noch
viele Gärtnereien. Sie waren nicht groß. Auf dem Gelände der Gärtnerei standen
Erdgewächshäuser. Man ging ein paar ausgetretene Stufen hinunter, öffnete die
Holztür mit Glasfenster und trat in eine andere Welt. Im Februar duftete die
Erde schon nach Frühling. Es war angenehm warm im Vergleich zu draußen. Licht
viel durch die Glasfenster von oben. Auf den Tischen standen die ersten
angezogenen Pflanzen oder viele Topfpflanzen. Besonders haben mich die
Alpenveilchentöpfe angezogen. Große, alte Knollen mit vielen Blüten und Blätter
standen dort. Einige dufteten nach Veilchen.
Ich liebte es, wenn ich dorthin geschickt
wurde um für Mutter einen Strauß mit 3-5 Alpenveilchenblüten mit Zierspargel zu
holen. Sie hat zwischen Weihnachten und Neujahr Geburtstag. Bis heute besorgen
wir ihr Alpenveilchen mit Zierspargel.
Zu jeder Jahreszeit wurden passende Blumen und
auch Gemüsepflanzen angezogen. Es war alles um die Ecke und wir Kinder
bemerkten die Arbeit der Menschen unbewusst. (Natürlich wurde auch hier Energie verwendet. )
Was ist geschehen, dass innerhalb von ein
paar Jahrzehnten wir so gierig geworden sind?
Zu jeder Tages- und Jahreszeit möchten wir
alle möglichen Blumen besitzen. Wir vergessen unsere Freude, wenn wir mit
Geduld das erste Veilchen im Frühling am Wegesrand begegnen.
Nicht nur auf unsere Nahrung sollten wir mehr
achten auch auf unsere sinnlichen Freuden.
Lit.:
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Zimmerpflanzenbücher über zvab
Verein Slowflower Bewegung
Buch Slow Flower im Hauptverlag
Buch SlowFlower Bewegung im Hauptverlag